Modernes Vermögensmanagement – Das Family Office

Heft 4 der Schriftenreihe des Instituts
(nicht mehr lieferbar)

Aus der Praxis, für die Praxis – nach diesem Motto wird aus der Sicht eines erfahrenen Vermögensverwalters, der selbst aus einer Unternehmerfamilie stammt, die Bedeutung strategischer Vermögensplanung für Unternehmen und Familie untersucht. Ein Family Office ist jedoch nicht allein ein Instrument der Vermögensplanung, das die vorhandenen Ressourcen besser nutzt und für eine optimale Vermögensallokation sorgt, sondern es stärkt zugleich das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit in der Familie.


Leseprobe

Vorwort
Am Anfang ist alles noch einfach. Sobald nicht mehr jede Mark oder heute jeder Euro in das Unternehmen investiert werden muß, wird aus dem Unternehmer ein Anlageberater in eigener Sache. Neben dem Unternehmen soll auch das Privatvermögen wachsen und die Familie abgesichert werden. Investitionen, private Entnahmen und Vermögensbildung entwickeln sich nach Maßgabe dessen, was möglich ist. Es entsteht eine Art Family Office im Kleinformat – der Aufwand ist überschaubar, Sekretariat oder die Buchhaltung erledigen den Papierkrieg, die Bank und der Steuerberater stehen mit Rat und Tat zur Seite. Langsam aber sicher wächst das Vermögen – zu Lebensversicherungen und Bausparverträgen kommen andere Anlageformen. Bereits hier beginnt es komplizierter zu werden, neue Berater treten auf den Plan, ad hoc werden weitere Investitionen getätigt, denn das Vermögen soll wachsen. Festgelder, Immobilien, Aktien, Investmentfonds, geschlossene Fonds kommen hinzu. Die Schwächen dieses natürlichen Wachstumsprozesses sind bekannt – es fehlt oft genug am Know-how. Übergreifende Gesichtspunkte werden von momentanen überlagert. Jedes Investment wird vorderhand dadurch geadelt, daß es für sich genommen wirtschaftlich sinnvoll ist. Vielleicht generiert es zusätzlich sogar Steuervorteile, die man gut gebrauchen kann – und kommt dann noch ein Agio-Nachlaß hinzu, wird ein echtes Schnäppchen daraus. Die Folge seiner solchen freihändigen Investitionspolitik ist eine Vermögensstruktur, die nicht mehr als eine Summe von Einzelfallentscheidungen darstellt.

Was da mit den Jahren wächst, muß also nicht unbedingt zusammenpassen. Diese leidvolle Erfahrung machen Gründer wie die Inhaber alter Vermögen. Durch das Fehlen einer Strategie, die diesen Namen auch verdient, ist schon manche Unternehmerfamilie in Schwierigkeiten geraten. Die gleichsam naturwüchsig entstandene Portfoliostruktur widerspricht elementaren Grundsätzen, Risiken und Renditen stehen außer Verhältnis, der Primat des Steuersparens hat ein übriges getan.

Der Autor dieses Hefts der Schriftenreihe kennt sich mit solchen Problemen bestens aus. Er ist nicht nur ein ausgewiesener Experte für die Verwaltung großer Vermögen, er weiß auch aus eigener Erfahrung, wozu es führt, wenn eine Unternehmerfamilie auf die Entwicklung einer tragfähigen Vermögensstrategie verzichtet. Wolf Hartmut Adler entstammt einer Familie, die ab den 60er Jahren mit den Adler-Modemärkten ungewöhnlichen Erfolg hatte. Noch zu Lebzeiten des Gründers aber wurden die Schwierigkeiten offenkundig, die aus einer unzureichenden Planung resultierten. Für Wolf Hartmut Adler begann mit der Übernahme der Verantwortung für das Familienvermögen eine Zeit großer Herausforderungen. Er hat sie erfolgreich gemeistert, und die Erfahrungen, die er bei der Neuausrichtung des eigenen Familienvermögens machte, sind Grundlage einer neuen unternehmerischen Existenz geworden. Wolf Hartmut Adler hat, wie er selbst sagt, aus seiner Berufung einen Beruf gemacht – er ist heute Geschäftsführer der FONTIS GmbH, eines Family Office, das große Familienvermögen betreut, sie dauerhaft sichern und entwickeln hilft.

Damit sind wir wieder beim Thema dieses Heftes – das Family Office, diesmal aber als professionelle Vermögensverwaltung. Wie für vieles, was aus den USA kommt, fehlt uns eine adäquate deutsche Übersetzung. Dabei sind Family Offices so neu nicht, der Leser erfährt, daß bekannte amerikanische Unternehmerdynastien schon im 19. Jahrhundert die Notwendigkeit erkannten, eine strategische Vermögensplanung und -anlage mit Hilfe einer solchen Einrichtung zu institutionalisieren. Seit dieser Zeit haben sich unterschiedlichste Formen von Family Offices am Markt etabliert. Private Vermögensverwaltungen haben sich anderen Familienvermögen geöffnet; sie sind zu Multi Client Offices geworden. Unabhängige Unternehmen sind ebenso vertreten wie bankeneigene Anbieter. Mittlerweile haben auch deutsche Unternehmerfamilien erkannt, wie wichtig eine professionelle Beratung für den Erhalt und die Mehrung ihres Vermögens ist.

Persönliche Beratung, Planung und Kontrolle sind die Aufgaben eines modernen Family Office. Die Vorteile einer solchen Institution liegen auf der Hand: Ein professionelles Wealth Management verfährt bereits vom Ansatz her strategisch. Nicht der heiße Tip des Bankers oder besten Freundes, nicht der Zwang, kurz vor Jahresschluß die Steuerlast um jeden Preis zu reduzieren, bestimmen die Anlagepolitik, sondern eine ausgewogene Vermögensstruktur, die auf der Basis anerkannter Analyse und Expertise die Vorgaben des Vermögensinhabers in die Tat umsetzt. Mit einem Family Office nimmt ein kompetenter Akteur seine Interessen wahr, der die vielfachen steuerlichen und rechtlichen Aspekte mit den etablierten Beratern abstimmt und seine Unabhängigkeit gegenüber Produktanbietern wie Vermögensverwaltungen und Banken wahrt.

Eine Unternehmerfamilie kann durch ein Family Office zudem beträchtliche Synergieeffekte erzielen. Abhängig von der Größe des Vermögens und der Familienstruktur kann im Erbgang die einheitliche Basis für Vermögensdisposition erhalten, Redundanzen und Widersprüche in der Anlagepolitik sowie eine Zersplitterung auf der Beraterseite vermieden werden. Die präzise Kenntnis von Beratungskosten und Gebühren helfen diese senken. Nicht zu unterschätzen ist auch der vorteilhafte Einfluß auf das Problembewußtsein der Vermögensinhaber. Was heute noch immer oft genug der Fall ist – die unzureichende Planung für den Erbfall und eine problematische Vermögensstruktur werden zuverlässig ausgeschlossen.

Familienstrategisch spielt das Family Office ebenfalls eine bedeutende Rolle. Es zählt zu den Gemeinschaft erzeugenden und verbürgenden Institutionen einer Unternehmerfamilie. Ihre Werte und Ziele können in der gemeinsamen Vermögensstrategie ebenso wie im Unternehmen verwirklicht werden, denkbar ist auch der Aufbau talentierten Nachwuchses aus den eigenen Reihen für diese Aufgabe. 

Abschließend möchte ich Wolf Hartmut Adler für seine Bereitschaft danken, die Schriftenreihe um dieses wichtige Thema zu bereichern und uns Einblick in die Motive und handlungsleitenden Prinzipien seiner Arbeit zu gewähren.