Eine Geschichte mit Hürden und Hindernissen – Familien und ihr Vermögen
Leseprobe
Internationalisierung schafft Komplexität
Blicken wir auf die Nachkriegszeit und die vielen deutschen Unternehmen, die damals zu (neuer) Größe erwuchsen, so war ein Teil des Erfolgs den wachsenden Exporten zu verdanken. Deutschland wurde auch deswegen zum Exportweltmeister, weil seine Unternehmen ihre Geschäftsmodelle internationalisierten, Tochtergesellschaften im Ausland gründeten und ausländische Unternehmensbeteiligungen erwarben.
Dieses Erfolgsmodell beschränkte sich nicht nur auf das Wirtschaftliche. Mit dem wachsenden Erfolg wurden auch die Biografien der Mitglieder von Unternehmerfamilien internationaler. Diese Erweiterung des familiären Aktionsradius hat einen Preis: Während bei Unternehmerfamilien in der Nachkriegszeit noch Wohnsitz, Unternehmen, Vermögen und Familie häufig in einem Rechts- und Steuerraum gebündelt waren, sind diese nun in der Regel über mehrere Länder verteilt. Die familiären Angelegenheiten entwickeln sich zu einem komplexen System, in dem Aspekte von Familie, Unternehmen, Vermögen, Recht, Steuern und Kultur aufeinandertreffen.
Wer diese Komplexität anerkennt, wird bei der Vermögensweitergabe über punktuelle Einzelmaßnahmen hinaus einen Ansatz verfolgen, der diese Herausforderung strukturiert und strategisch angeht. Familien sollten demnach die Art und Weise, wie sie ihr Unternehmen und das übrige Vermögen strukturieren, als entscheidenden Schlüssel dafür anerkennen, dass sich die Planungen zur Vermögensweitergabe auch selbst in Krisensituationen verlässlich umsetzen lassen.
In der heutigen Zeit setzen sich Familien, deren Mitglieder in unterschiedlichen Ländern leben und über verschiedene Staatsangehörigkeiten verfügen, einem erhöhten Risiko aus. Sie nehmen geopolitische Spannungen und politische Risiken deutlicher wahr. Das verunsichert immer mehr Familien, im besten Fall reagieren sie auf das sich wandelnde internationale Umfeld. Dabei sollten sie sich bewusst sein: Internationale Familien sind in diesen unruhigen Zeiten nicht nur besonders exponiert. Sie können von ihren internationalen Erfahrungen auch besonders profitieren – wenn sie sich ihrer Situation bewusst werden und entsprechend handeln.
Vorbereitung: Alles muss auf den Tisch
Ausgangspunkt ist eine umfassende Bestandsaufnahme der familiären Verhältnisse und sämtlicher Vermögenswerte, bei der auch die Bedürfnisse, Werte und Ziele der verschiedenen Generationen erfasst werden. Um Fehlannahmen zu vermeiden, kommt die Wohnsitzfrage ebenso zur Sprache wie berufliche und private Pläne.
Auch die familiäre Entscheidungslogik, wie informelle Gepflogenheiten und Institutionen wie Familienkonferenzen oder ein Familienrat, wird analysiert. So entsteht ein Verständnis für die Entscheidungsfindung und Kommunikation, was über den Erfolg mitentscheidet.
Grenzen der Transparenz
Bei der Bestandsaufnahme sollten möglichst alle Vermögenswerte erfasst werden. Nicht immer sollten dabei alle Bewertungsergebnisse umfassend offengelegt werden. Werden Unternehmen oder Immobilien geschätzt, basieren diese Ergebnisse auf bestimmten Annahmen und Methoden, die sich im Lauf der Zeit deutlich ändern können.
Die Praxis zeigt, dass Familienmitglieder jedoch oft an einer ersten Bewertung festhalten. Weichen spätere Einschätzungen ab, führt dies leicht zu Diskussionen. Zum Schutz der Familie sollte man mit solchen Informationen zurückhaltend umgehen und die begrenzte Belastbarkeit von Schätzungen berücksichtigen.
Der Blick nach vorn
Wealth Planner sind Generalisten mit breitem und interdisziplinärem Wissen in Finanzen, Steuern und Vermögensstrukturen. Zur Strukturierung von komplexen, insbesondere internationalen Vermögen, beziehen sie Expertinnen und Experten aus verschiedenen Branchen, Rechtsgebieten oder Ländern ein. Das Wissen fügen sie dann zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen und entwickeln auf dieser Basis eine individuelle Vermögensstruktur für Familie und Unternehmen. Die Umsetzung orchestrieren sie idealerweise in einem Umfeld vertrauensvoller Zusammenarbeit.
Vorausschauend bedeutet hierbei, Szenarien zu entwickeln, die die künftigen Realitäten von Familie und Unternehmen, insbesondere zum Zeitpunkt der Nachfolge, berücksichtigen. Der offene Dialog mit den Beteiligten über ihre Wünsche und Erwartungen ist dabei besonders wichtig.
Das Familienunternehmen, häufig größter Teil des Gesamtvermögens und emotionaler Ankerpunkt, spielt hier eine besondere Rolle. Entsprechend sollte die Vermögensstrukturierung die Rolle des Unternehmens für die Familie, seine Marktperspektive, das Ausmaß des familiären Engagements und die zukünftige unternehmerische Verantwortung einzelner Familienmitglieder thematisieren. Der offene Austausch verhindert Missverständnisse und falsche Erwartungen, zum Schutz von Familie und Unternehmen.
Tabu Unternehmensverkauf?
Nicht jede Familie kann oder will unternehmerische Verantwortung an die nächste Generation übergeben. Ein Verkauf kann daher ein Aspekt der Vermögensstrukturierung sein. Da sich die Familie dem Unternehmen, seinen Mitarbeitenden und Geschäftspartnern gleichermaßen verbunden fühlt, fällt diese Entscheidung aber selten leicht.
Im Idealfall zielt ein Unternehmensverkauf daher nicht nur auf einen maximalen Kaufpreis ab. Er berücksichtigt auch die nichtmateriellen Familienwerte und unterstützt eine geordnete Nachfolge. Klare Zuständigkeiten und Kompetenzen im Rahmen einer ganzheitlichen Governance helfen zudem, Streitigkeiten zu verhindern und Risiken zu begrenzen.
"Wealth for Impact"-Studie: Wie Generationen gemeinsam eine erfolgreiche Übergabe gestalten
Bevorstehende Generationenwechsel stellen viele Unternehmerfamilien vor grundlegende Fragen: Wie wird Vermögen verantwortungsvoll weitergegeben? Wie gelingt der Dialog zwischen den Generationen? Die Studie der LGT "Wealth for Impact" zeigt, welche Faktoren eine erfolgreiche Übergabe ermöglichen – mit besonderem Blick auf die Rolle der Philanthropie und gesellschaftlicher Wirkung – und wie Familien langfristige Kontinuität sichern.
Der größte Vermögenstransfer der Geschichte ist keine abstrakte Prognose: Auf viele Unternehmerfamilien kommt er in den nächsten Jahren zu. Und diese Übergabe ist weit mehr als ein juristischer oder finanzieller Akt: Weitergegeben werden auch Verantwortung, Werte und Haltung.
Die "Wealth for Impact"-Studie suchte Antworten auf die in diesem Bereich wichtigsten Fragen; zum Beispiel: Welche Strategien bilden das Fundament für den generationenübergreifenden Erfolg? Wie vereinen Familien Werte, Vermögen und Zusammenhalt? Und wie gelingt die Kommunikation zwischen den Generationen?
Die Studie wurde dabei bewusst aus einer wirkungsorientierten Perspektive konzipiert. Sie untersuchte, welche Rolle Philanthropie, gesellschaftliche Verantwortung und Impactorientiertes Denken im Umgang mit Vermögen und bei der Weitergabe an die nächste Generation spielen. Die Ergebnisse spiegelten somit gezielt die Perspektiven von Familien wider, die sich intensiv mit diesen Themen auseinandersetzen.
In über 60 ausführlichen Interviews wurden der Wandel und die Perspektiven der nächsten Generationen von Vermögensinhaberinnen und -inhabern untersucht. Dafür wurden Personen im Alter von 18 bis 77 Jahren als Vertreterinnen und Vertreter der zweiten bis 26. Generation ihrer Familien befragt.
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die nächste Generation versteht Vermögen als Gestaltungsraum, als Chance – und als Verantwortung. Besonders sichtbar wird diese Haltung in Familien, die Vermögen bewusst mit gesellschaftlicher Wirkung und langfristiger Verantwortung verbinden. Hier zusammengefasst finden Sie die sechs wichtigsten Erkenntnisse der Studie.
