Das Family Office. Sicherung und Optimierung des Vermögens

Seit der Finanzkrise sind die Anforderungen an die Verwaltung großer Vermögen beträchtlich gestiegen. Wolf Hartmut Adler und Thomas Becker, geschäftsführende Gesellschafter der FONTIS Family Office GmbH, beschreiben anschaulich und anhand eingängiger Beispiele alle wichtigen Aspekte, die eine Unternehmerfamilie im Blick haben sollte, wenn sie ihr Vermögen in einem eigenen Single Office verwalten lässt, ein Multi Office beauftragt oder die Vermögensverwaltung durch eine Bank vorzieht – von der Strukturierung des Portfolios über Kontrollaspekte bis zu den Kosten.


Leseprobe
 

1. Vorbemerkung

Die Herausforderungen, große Vermögen möglichst über Generationen zu erhalten und idealerweise zu mehren, haben die letzten Jahre wahrlich nicht abgenommen.

Ein Umfeld niedriger oder gar negativer Zinsen, steigende Staatsverschuldung und der demografische Wandel sind keine kurzfristigen und vorübergehenden Erscheinungen, sondern
anhaltende Einflussfaktoren auf das Vermögen. Die Bedeutung einer strategischen, also langfristigen, am Anleger ausgerichteten Vermögensplanung hat vor diesem Hintergrund stark zugenommen. Für den Aufbau und die Begleitung der systematischen Vermögensanlage wird bei der Implementierung oftmals über den Nutzen eines Family Offices nachgedacht. Das Family Office – die angelsächsische Bezeichnung besagt es bereits – ist eine Einrichtung, die von vermögenden Familien in Eigenregie als „Single Family Office“ betrieben, aber auch als unabhängiges Dienstleistungsunternehmen für mehrere Familien „Multi Family Office“ oder als Beratungseinheit von Banken und Vermögensverwaltern angeboten wird. Ausdruck des gestiegenen Beratungsbedarfs und dem Bedürfnis nach einer strukturierten, langfristigen Vermögensanlage ist auch die gestiegene Anzahl von Family Offices in den letzten Jahren. Aufgrund der Heterogenität der Anbieter gibt es keine genauen Zahlen, aber verschiedene Quellen sprechen mindestens von einer Verdoppelung der Anbieter in den letzten 15 Jahren[1], auf über 10.000 weltweit.

Dieser Beitrag möchte Hinweise und Denkanstöße geben, wie eine Strategie für das Vermögen entwickelt werden kann und welche Funktionen hierbei ein Family Office übernimmt. Der Fokus unserer Ausführungen liegt hierbei auf dem Dienstleistungsangebot von Family Offices.

Das Family Office dient dem Ziel der strategischen und langfristigen, geplanten Vermögensanlage. Die Vermögensstruktur wohlhabender Familien ist häufig die über Jahrzehnte gewachsene Summe von Einzelfallentscheidungen für – zum Investitionszeitpunkt – gut befundene Investments. Neben dem Wildwuchs vieler Einzelentscheidungen ist es nicht selten, dass eine Zersplitterung des Vermögens auf viele Entitäten und Familienmitglieder aus anderen Überlegungen heraus über die Jahre stattgefunden hat. Diese gewachsene Struktur kann sogar in Widerspruch zu der Intention des Anlegers, einer sonst gelebten Familienstrategie und den Gegebenheiten des Marktes treten. Risiken sind in der Wechselwirkung und in Summe nicht bekannt, Renditen werden nicht überprüft und sind auch nicht als Renditeziel für das Gesamtvermögen definiert, es gibt keine Steuerung entlang definierter Leitplanken und die steuerliche Belastung, die bei der Kaufentscheidung eine so große Rolle gespielt hat, wird in der Gesamtschau weder berücksichtigt noch optimiert. Damit einher geht eine Reihe von Schwächen und Reibungsverlusten, die das Vermögen nicht unbedingt gefährden müssen, es aber durchaus können.

Ein Family Office ermöglicht stattdessen eine übergreifende Planung, die dazu dient, die vorgefundene Struktur nach Maßgabe einheitlicher, von und mit den Vermögensinhabern entwickelten Vorgaben zu überprüfen und wenn nötig anzupassen. Durch eine einheitliche Vermögensstrategie wird naturgemäß auch die rechtlich und steuerlich optimale Gestaltung des Vermögens erleichtert, wodurch ausdrücklich nicht die einseitige Maximierung steuerlicher Aspekte zu verstehen ist. Nicht zuletzt reduziert eine einheitliche Vermögensverwaltung die Kosten – Vermögenswerte und Dienstleistungen können gebündelt werden. Bei Dienstleistern und Banken sind die Qualität der persönlichen Betreuung, strengste Diskretion und strikte Unabhängigkeit besonders wichtig. Vor allem Letztere spielt eine große Rolle und sollte den Verzicht auf Eigenprodukte und Rückvergütungen einbeziehen.

Die Sicherung und Optimierung eines großen Vermögens über Generationen hinweg bedeutet eine große Verantwortung und Herausforderung. Dies gilt gerade für Deutschland und weite Teile Europas. In Europa haben wir in 2008 nicht nur eine Bankenkrise erlebt, sondern darauffolgend ab dem Jahr 2010 eine Staatsschuldenkrise, bei der Deutschland immense finanzielle Verpflichtungen und Hypotheken übernommen hat. Dies führt auch zu einem zunehmenden Druck auf vermögende Familien, da die Politik angesichts steigender Verschuldung und zunehmender sozialer Ungleichheit immer stärker fiskalisch motiviert versucht, die Spielräume der Umverteilung zu vergrößern.

Vor dem Hintergrund der daraus resultierenden Herausforderungen möchten wir im Folgenden die Bedeutung eines Family Office umreißen. Das soll sowohl ein Problembewusstsein schaffen sowie der Motivation dienen: vor allem Unternehmerfamilien sollten sich darüber klar werden, nicht nur die Unternehmensnachfolge, sondern auch die ganzheitliche Vermögensoptimierung in das Zentrum ihrer wirtschaftlichen Lebensplanung zu stellen. Dafür können die Erfahrungen der Familie A

 

[1] https://www.empaxis.com/blog/family-office-trends/